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Die Anfänger der Katholischen Integrierten Gemeinde, unter ihnen Traudl Wallbrecher, fragten nach dem Zweiten Weltkrieg im Erschrecken über den Holocaust, warum diese Katastrophe im christlichen Europa geschehen konnte. Sie wollten die jüdischen Wurzeln des Christentums wieder freilegen und suchten daher einen intensiven Austausch mit dem Alten Testament und dem Judentum.
Nachdem sie über Jahre hinweg verschiedene persönliche Kontakte aufgebaut hatten, kam 1995 eine Gruppe israelischer Kibbuz-Mitglieder nach Urfeld am Walchensee, um die Katholische Integrierte Gemeinde kennenzulernen. Aus diesem Treffen wuchs der "Urfelder Kreis", der zur Zeit etwa 80 Mitglieder zählt.
Der Grund für das gegenseitige Interesse waren ähnliche Erfahrungen beim Aufbau von gemeinschaftlichem Leben – Gemeinde bzw. Kibbuz mit dem Ziel, konkrete Schritte zu einer humanen Gesellschaft zu erkunden und zu verwirklichen. Über diese Frage entstand ein intensiver Austausch, wobei neben soziologischen Aspekten zunehmend theologische Themen diskutiert werden, wie die Frage: Was bedeutet die gemeinsame Verwurzelung in der Tradition der Bibel für Juden und Christen?
Seit 10 Jahren finden mehrmals jährlich in Israel, Deutschland und Italien Treffen statt. Die GIZ übernimmt als Veranstalter der Treffen in Deutschland und Italien die organisatorische Abwicklung und die Finanzierung von Räumlichkeiten, Reisekostenzuschüssen und Dolmetschern.
Stimmen zum Projekt Prof. Amnon Shapira, Bar-Ilan-Universität, Tel Aviv: "Auf den Holocaust gibt es keine Antwort. Aber hier ist der Anfang einer Antwort. Ich sage das nicht, um vor Ihnen große Worte über die Integrierte Gemeinde zu machen oder um der Gemeinde zu schmeicheln. Ich kenne in der ganzen Welt keinen anderen Ort: Nur hier ist der Anfang einer Antwort."
| | | Prof. Chaim Seeligmann, Historiker im Institut Yad Tabenkin: "Ich glaube, wenn etwas der Gemeinsamkeit zwischen uns den richtigen Ausdruck gibt, dann ist das: gegenseitige Treue. Wir als Menschen des jüdischen Volkes, Sie als Menschen, die sich als Erben des Gottesvolkes ansehen, wir gehen unsere Wege, wir sind uns nahe; und wir sind beide wiederum selbständig. Aber es besteht zwischen uns der ununterbrochene Faden einer treuen Verbindung, in der einer dem anderen hilft."
| | | Joël Dorkam Kibbuz Tsuba, Sprecher des Urfelder Kreises: "Wenn es den Urfelder Kreis schon vor 100 Jahren gegeben hätte, nicht 500, nur 100 Jahre, wäre möglicherweise die Geschichte anders verlaufen und auch der Holocaust."
| | | Joseph Kardinal Ratzinger (jetzt Papst Benedikt XVI.) in einem Brief an Traudl Wallbrecher: "Vielleicht sollte ich noch etwas über die Begegnung von Kirche und Israel sagen, um die Sie sich so sehr mühen. Auch wenn Gott sich die letzte Einheit vorbehalten hat, und – wie es scheint – sie bis zum Ende der Zeiten aufbewahrt, ist es eine große Aufgabe, dieser Einheit entgegenzugehen und dabei jenem Frieden zu dienen, den Christus in seinem Blut gestiftet hat (Eph 2,13)."
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